Donnerstag, 3. März 2016

Equal Pay Day am 19. März 2016

Wenig hat sich geändert. Leider. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verdienen Frauen in Deutschland auch 2016 wieder über 20 Prozent weniger als Männer. Rechnet man das in Tage um, arbeiten Frauen 79 Tage, das heißt vom 1. Januar bis zum 19. März 2016, umsonst. Dieses Datum wird zum "Equal Pay Day", dem Tag der Lohngerechtigkeit. Seit einigen Jahren gibt es an diesem Tag gezielte Aktionen, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

Wie kommt es aber zu dieser Lohndifferenz. Sind die Frauen nicht selbst schuld, weil sie die "falschen" Berufe ergreifen? Zu wenig um gleiche Entlohnung kämpfen? Weniger arbeiten als ihre männlichen Kollegen? Mit diesen Vorwürfen werden Frauen oft konfrontiert.

In der Tat, wählen Frauen häufig Berufe im Dienstleistungssektor oder im sozialen Sektor. Das mag der weiblichen Sozialisation geschuldet sein - Frauen in MINT-Bereichen (Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften und Technik) gibt nach wie vor zu wenige. Vielleicht auch, weil es an gezielter Förderung im Bildungsbereich fehlt? Weil noch immer klassische Rollenbilder vorherrschen?

Andererseits: Unsere Gesellschaft hat sich mehr und mehr von einer Industriegesellschaft in eine postindustrielle gewandelt, in der Dienstleistungen und Soziales eine immer größere Rolle spielen - leider schlägt sich das nicht unbedingt in der Bezahlung der hier tätigen wieder. Und die Entlohnung spiegelt die gesellschaftliche Anerkennung - oder sollte man besser sagen: die gesellschaftliche Geringschätzung? - dieser Berufe. Dabei sind gerade im sozialen und im Bildungsbereich gesellschaftlich enorm wichtige Aufgaben zu tun - nicht zuletzt im Hinblick auf den demografischen Wandel!

Hinzu kommt die unterschiedliche Entlohnung der Berufe. So ist die Arbeit einer Altenpflegerin oder einer Erzieherin schlechter bezahlt als die eines Staßenreinigers oder Müllmannes. Dabei übernehmen alle wichtige soziale Aufgaben, wobei die Voraussetzungen an Vorbildung für die typisch weiblichen gering entlohnten Sozialberufe im Schnitt viel höher sind. Skandalös ist, dass es auch innerhalb eines Berufs immer noch Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern gibt. Ein Bankkaufmann verdient durchschnittlich 4.055,00 €, eine Bankkauffrau nur 3.290,00 €. Das ist nur ein Beispiel für die ungerechte Entlohnung zwischen den Geschlechtern. Einen Überblick der unterschiedlichen Bezahlung in verschiedenen Branchen erhalten. Sie unter: www.lohnspiegel.de.

Eine weitere Rolle für den Einkommensunterschied spielt die in Deutschland nach wie vor schwierige Vereinbarung von Beruf und Familie. Frauen leisten den Hauptteil der Familienarbeit. Und das nicht nur bezüglich der eigenen Kinder, sondern zunehmend auch im Bereich der häuslichen Betreuung und Pflege von erwachsenen Angehörigen, insbesondere den Alten. In einer zunehmend überalternden Gesellschaft werden diese Aufgaben immer wichtiger. Und die Frauen, die sie übernehmen können nicht gleichzeitig voll erwerbstätig sein.

Aus all dem ergeben sich weitreichende Konsequenzen wie bis hin zur Altersarmut, die schon heute überwiegend ein weibliches Gesicht hat. Denn spätestens bei einem Vergleich der Renten von Frauen und Männern wird der Unterschied noch deutlicher. So liegt die Differenz bei der Alterssicherung bei 60 Prozent, womit sich der "Gender Pay Gap" im Laufe eines durchschnittlichen Erwerbslebens verdreifacht hat!

Lohndiskriminierung zwischen den Geschlechtern bleibt also ein aktuelles Thema! Aber was können wir tun?

Zunächst einmal: Einfach mitmachen beim Equal Pay Day. Das beginnt mit der "roten Tasche", die Frauen an diesem Tag bewusst tragen sollten, über die Teilnahme an EPD-Aktionen bis hin zum Organisieren eigener Aktionen.

Die Berliner Frauenbeauftragten rufen alljährlich zur Rabattaktion auf, an der sich alle Geschäfte und Dienstleister beteiligen können. Sie gewähren am 19. März ihren weiblichen Kundinnen 22 Prozent Rabatt. Davon profitieren alle: die Kundinnen, die Geldsparen, die Unternehmen, für die das ein gutes Marketing ist und nicht zuletzt die Öffentlichkeit, der so das Problem einmal mehr bewusst gemacht wird.

Und so einfach geht es:
Unternehmen, die sich an der Rabattaktion beteiligen möchten, richten ihre Kontaktdaten per Mail an die Gleichstellungs- Frauenbeauftragten ihres Bezirks. Auf der Internetseite www.22-prozent.de werden alle beteiligten Unternehmen nach Branchen und Bezirken veröffentlicht und mit ihrer eigenen Seite, auf der verlinkt. Das "Berliner Fenster", die Werbeplattform in der U-Bahn, wird ebenfalls auf die Rabattaktion verweisen.




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