Dienstag, 22. Dezember 2015

Bye, bye existenzielle... - Gedanken zum Ende einer Ära

Sie war lange Partnerin, Freundin, Weggefährtin. Erst als regionales Magazin, dann überregional die erste und einzige Zeitschrift für die Frau als Unternehmerin und schließlich online. Nun endet diese Geschichte. Die existenzielle wird es künftig nicht mehr geben.

Die Gründerin und Herausgeberin Andrea Blome schreibt:

Newsletter zum Abschied

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Mit diesen letzten News vom existenzielle-Schreibtisch möchte ich mich verabschieden.
Danke an alle, die mich und die existenzielle in den vielen Jahren begleitet haben.
Danke vor allem an alle Autorinnen, die mit ihren Texten das Magazin bereichert und lesenswert gemacht haben.
Danke an alle Frauen, die uns ihre Geschichten erzählt haben und das Vertrauen hatten, dass wir für ihre Erfahrungen die richtigen Worte finden.

Danke an Sie und euch, die als Leserinnen immer da waren, unsere Texte lesen wollten, die weitergedacht, kommentiert und gelobt haben. Die mir geschrieben haben, dass existenzielle ihnen eine gute Begleiterin im Unternehmerinnen-Alltag war.
Das sollte sie sein. So hatte ich mir das gewünscht.
Schön, dass das so lange gelungen ist.

Ich hatte seit der allerersten existenzielle im Jahr 2000 eine sehr bewegte Zeit mit diesem Magazin. Ich habe viel gelernt, viel gewonnen und blicke gerne und auch ein wenig traurig zurück.
Jetzt ist es für mich gut, Abschied zu nehmen und dieses Kapitel abzuschließen.
Ich wünsche Ihnen und euch allen schöne Weihnachtstage, einen gemütlichen Jahresausklang und ein glückliches und gesundes Neues Jahr.

Andrea Blome, Herausgeberin



Wir wünschen Andrea und ihrem Team schöne Festtage und alles Gute für die Zukunft!

Gleichzeitig fragen wir uns jedoch, was  das Ende dieses Projekts über die Situation von Unternehmerinnen in unserem Land, in unserer Gesellschaft heute aussagt. Heißt es, dass die Zeiten des enthusiastischen Aufbruchs einer ganzen Generation von Frauen, jener Babyboomerinnen, die um die Jahrtausendwende mit all ihren Chancen und Schwierigkeiten mehr wollten als einen festen Job und zuverlässige Gehaltszahlungen, nun vorbei sind. Ja, in der Tat, viele derer die damals um die Vierzig waren, haben erleben müssen, wie hart das Unternehmerinnen-Dasein ist, wie schlecht die Einkommensmöglichkeiten gerade für Solo-Preneure und Kleinunternehmen im Dienstleistungsbereich - und gerade hier gab und gibt es die meisten Gründungen. Nicht wenige der unternehmerischen Enthusiastinnen von einst sehen sich heute mit Mitte Fünfzig einer Zukunft in Altersarmut konfrontiert. Und das bei weitaus härteren Sozialgesetzen als sie in der Bundesrepublik um die Jahrtausendwende noch galten...

Auch die existenzielle wäre sicher nicht eingestellt worden wäre, wenn das Projekt wirtschaftlich erfolgreicher gewesen wäre und den Markt tatsächlich ganz neu aufgerollt hätte. Während es die klassischen Frauenmagazine mit den üblichen Themen (Mode, Schönheit, Haus, Küche, Partnerschaft/Familie) die sich seit der "Gartenlaube" Ende 19. Jahrhunderts prinzipiell nicht wirklich verändert haben, konnten sich Magazine, die sich einem anderen Frauenbild nähern, nicht schaffen.

Nach wie vor wird die Wirtschaftswelt ganz klar von Männern beherrscht. Und als kürzlich in London auf einer Galaveranstaltung die Rangliste "Thinkers50" der aktuell bedeutendsten Management-Vordenker präsentiert wurde, kann man lange nach einer Frau suchen... ehe man schließlich auf Renée Mauborgne stößt, die gemeinsam mit ihrem männlichen Kollegen an der Business School "Insead" in Fontainebleau, Prof. W. Chan Kim ausgezeichnet wurde. Ob sie es ohne diesen Mann an ihrer Seite überhaupt geschafft hätte in den Kreis der erlauchten Herren, die für unsere Wirtschaft planen und denken, geschafft hätte?

Unter solchen Gesichtspunkten ist das Ende der existenzielle mehr als isolierte Ende eines einzelnen Projekts. Es ist scheinbar ein Zeichen der Zeit.

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