Mittwoch, 19. November 2014

Heute ist Women's Entrepreneurship Day

Zum ersten Mal seit dem Start der Initiative "Global Entrepreneurship Week" und ihrem nationalen Ableger "Gründerwoche Deutschland" im Jahr 2008, besinnt man sich auf die Frauen als Unternehmerinnen und Gründerinnen.

Wie deren Situation 25 Jahre nach dem Mauerfall ist, damit beschäftigte sich am 8./9. November in Berlin die Zukunftskonferenz grOW, welche wir von Unternehmerinnen.org als Partnerinnen unterstützt haben.
Die Ergebnisse der Konferenz finden Sie jetzt unter http://www.fu-berlin.de/sites/grow/zukunftskonferenz_2014/index.html

Die Frauenquote bei den Gründung liegt laut KfW-Gründungsmonitor bei 43 Prozent. Das ist eine weitaus bessere Frauenquote als in anderen Bereichen der Wirtschaft. Leider sagen solche Prozentzahlen aber noch nichts über die Realität weibliche Gründungen aus.

Selten thematisiert wird die wirtschaftliche und soziale Situation von selbstständigen Frauen. Und die ist... leider erbärmlich! Maßgeblichen Studien zufolge gehen  41 Prozent der solo-selbstständigen Frauen und 23 Prozent der weiblichen Arbeitgeberinnen gehen trotz Vollzeittätigkeit mit einem monatlichen Einkommen von weniger als 1.100 € nach Hause, 22 Prozent sogar mit weniger als 500€!

Der Weg in die Selbstständigkeit ist für Frauen also oftmals ein Weg ins Prekariat, Altersarmut vorprogrammiert. Daran ändert auch ein höherer (Aus-)Bildungsstand nichts, der bei selbstständigen Männern die Einkommenssituation erheblich positiv beeinflusst (Durchschnittseinkommen > 3.000 € p. M., bei Hochschulabsolventen > 4.000 € p. M.). Hochschulabsolventinnen dagegen verdienen als Selbstständige mit zirka 1.900 € p. M. kaum mehr als Ungelernte mit zirka 1.700 € p. M. 

Hinzu kommt fehlende Berücksichtung der Tatsache, dass Frauen nun mal auch Mütter sind. Staatlich garantierten Mutterschutz für Selbstständige gibt es aber nicht. Hier bedeutet Selbstständigkeit einmal mehr, sich selbst um alles zu kümmern, zu organisieren und zu finanzieren. Das gelingt aber nur den wenigsten Gründerinnen. 

Seit Jahren ist bekannt, das weibliche Gründungen meist sog. "Push-Gründungen" sind, also, anders als bei vielen Männern, nicht aus Karriereantrieb erfolgen, sondern weil Umbrüche im Berufs- und Lebensweg, z. B. durch Familienpausen oder Arbeitsplatzverlust, die Frauen in eine Selbstständigkeit "schubsen". Das mag bei einigen Frauen - wir stellten gerade auf unserem Portal unser Mitglied Michaela Steidl vor, der es ähnlich ging - tatsächlich zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Vorhaben führen, in dem sich Familie und Beruf tatsächlich besser vereinbaren lassen als in einem "9- to- 5- Job" bei mangelhaften Betreuungsangeboten für den Nachwuchs. Viel häufiger führt es jedoch in eine fatale ökonomische Abhängigkeit, entweder vom Partern oder Angehörigen oder vom Staat. Die Zahl der Selbstständigen, ergänzende Leistungen vom Staat (Hartz IV) beziehen, weil sie nicht von ihrer Vollzeit-Arbeit leben können, wird von offiziellen Stellen mit 125.000 beziffert.

Was ließe sich also tun, um weibliche Gründungen erfolgreicher zu machen?
  1. Berater/ innen und Beratungseinrichtungen wären selbst gut beraten, Frauen von Gründungsideen abbringen, die so gut wie keine Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg haben. Frauen die meinen, Sie könnte als Therapeutin, Übersetzerinnen, Coaches oder mit ähnlichen persönlich zu erbringenden Dienstleistungen im Kleinst-Unternehmen bzw. als Solo-Preneurin wirtschaftlichen Erfolg haben, irren. Weil sie sich diesen Tätigkeiten gewachsen fühlen und ihnen die Investitionskosten gering scheinen, greifen sie zu solchen Geschäftsmodellen. Dabei verkennen Sie, dass sie in diesen Märkten nur Erfolg haben können, wenn Sie sich größer aufstellen. Das beginnt mit einem entsprechend großen Werbeetat, geht über eine marktgerechte Angebotspalette und endet bei guter Personalorganisation. Solche Dienstleistungsangebote haben nur dann eine echte Chance, auch wirtschaftlichen Ertrag abzuwerfen, wenn sie entsprechend gut konzipiert sind.
  2. Staatllicherseits macht es wenig Sinn in immer neue PR-Maßnahmen und Förderprogramme ohne echte Nachhaltigkeit zu investieren. Eine Reform des gesamten Krankenversicherungswesens - der persönliche Krankenversicherungsschutz in Deutschland ist wohl einer der teuersten in der EU - hin zu Beiträgen, die auch für kleine Selbständige bezahlbar sind - wäre ratsam, und in diesem Zusammenhang auch ein staatlicher Mutterschutz für Selbstständige.
  3. Hier sind neben dem Staat auch die privaten Träger gefragt: Zügiger flächendeckender Ausbau an guten (!) Kinderbetreuungsangeboten. Nachdem schon der DIHK in einer aktuellen Studie festgestellt hat, dass durch die fehlenden Angebote sich 71 Prozent der Betriebe in ihren betrieblichen Abläufen hierdurch eingeschränkt sehen, sollte es doch eigentlich mal vorangehen...
  4. Netzwerke und Plattformen wie Unternehmerinnen.org, sollten eigentlich mehr Beachtung finden und stärker gefördert werden, denn hier erhalten Unternehmerinnen Möglichkeiten zum Austausch, zur Information, zur kostengünstigen Werbung, und um KooperationspartnerInnen zu finden. Eine solche Unterstützung muss nicht unbedingt finanzieller Art sein, oft würde es schon genügen, wenn Verantwortliche in Politik, Medien oder bei Kammern und Verbänden die gute Arbeit, die hier geleistet wird, besser würdigen und ihrerseits bekannt machen würden.





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