Montag, 3. Februar 2014

10 Jahre Networking, Infos und Präsentation von Unternehmerinnen

Unternehmerinnen.org-Projektleiterin Ilona Orthwein im Interview

Ilona Orthwein

Vor zehn Jahren, im Februar 2004, lud die Berliner Unternehmens-und Organisationsberaterin Ilona Orthwein erstmals zu einem ersten „Unternehmerinnenabend in Berlin“ ein.
Dies war der Startschuss für das Projekt, das heute als Unternehmerinnen.org selbständige Frauen aus der ganzen Bundesrepublik öffentlich präsentiert, wirbt, informiert und vernetzt. In nachfolgendem Interview blickt die Projektinitiatorin zurück auf die Anfänge, zehn ereignisreiche Jahre und macht Zukunftsprognosen.

Das  Interview finden Sie als Pdf zum Download auf Unternehmerinnen.org



Frau Orthwein, was war Ihre persönliche Motivation, mit diesem Unternehmerinnen-Projekt zu starten?

Zunächst einmal: ich hatte nie damit gerechnet, dass aus meinem „Unternehmerinnenabend“ von damals so eine große Sache erwachsen würde. Ich war 2004 selbst noch Gründerin und meine Beratungsfirma im Aufbau. Ich brauchte also geschäftliche Kontakte, Informationen und natürlich auch Kunden. So habe ich mich in verschiedenen Netzwerken, insbesondere solchen für Frauen, umgeschaut. Was mir bei den Angeboten fehlte, war zum einen eine Vernetzung von Gründerinnen und erfahrenen Unternehmerinnen, und zu anderen eine deutliche Fokussierung auf den wirtschaftlichen Erfolg, denn ohne diesen scheitert die Selbständigkeit.

Diesen Eindruck teilte ich mit zwei anderen Selbständigen.So entstand die Idee, einen „Unternehmerinnenabend“ zu organisieren, der genau dieses Manko ausgleichen sollte. Der Erfolg des ersten Abends überraschte uns alle. Mehrere Teilnehmerinnen meldeten kurz darauf, neue Geschäfte über diesen Abend bekommen zu haben…

So entwickelte ich das Konzept weiter und organisierte zwei Monate später den nächsten „Unternehmerinnenabend in Berlin“. Da kamen schon so viele Frauen, dass es in meinen eigenen Räumen fast zu eng wurde. Wir suchten nach einer anderen Location und fanden sie – natürlich über das Netzwerk – im „Media Club“ in Berlin-Mitte. Der wurde dann auf einige Jahre zum festen Treffpunkt für den „Unternehmerinnenabend in Berlin“.

Im Sommer 2005 sind Sie mit dem „Unternehmerinnenabend“ ins Netz gegangen. Wie kam das?

Auch das war mehr oder weniger Zufall. Als die Veranstaltung immer professioneller organisiert wurde, kam der Gedanke auf, sie über eine Website bekannt zu machen. Da lag nahe, diese Website zu nutzen, um die Veranstaltungsbesucherinnen mit ihren Angeboten vorzustellen und ein Wiederfinden nach den Veranstaltungen für die Frauen leicht zu machen.

So etwas scheint heute im Zeitalter von Facebook & Co. nichts Besonderes, aber im Juni 2005, als wir online gingen, war es das. Andere Frauennetzwerke hatten, wenn sie als Vereine organisiert waren, maximal ein internes Mitgliederverzeichnis online oder eine, leider zu oft schlecht gepflegte, Adressdatenbank. „Virtuelle Visitenkarten“ für Geschäftsleute, wie wir sie anboten, gab es damals nur den großen Portalen wie „OpenBC“, dem Vorgänger von XING und dessen Vorbild LinkedIN.

Mit dem Gang ins Netz wuchs schlagartig die überregionale Aufmerksamkeit. Wir erhielten Nachfragen aus den entlegensten Winkeln Deutschland und dem angrenzenden Ausland. Daraus erwuchs ab 2006 das Projekt „Unternehmerinnenabend in…“ als webgestützte Veranstaltungsreihe nach unserem Berliner Konzept, die regelmäßig in verschiedenen großen Städten angeboten wurde.

Braucht man für ein solches Vorhaben nicht sehr viel Kapital?

Man braucht vor allem Know-how – und ein gutes Konzept. „Kopf schlägt Kapital“, wie Günter Faltin sagt.  Unser „Schatz“ waren und sind unsere guten Leute, die sich im Netzwerk engagieren. Dank Internet können Personen an unterschiedlichen Standorten virtuell hervorragend zusammenarbeiten.

Zuzana Richter, Webgestalterin und Fotografin aus Prag, sowie meine Bekannten Uwe und Stephanie von Loh aus Bayern entwickelten und designten unser erstes Portal. Stephanie ist Architektin und Baubiologin und ihr Uwe u.a. Programmierer. Er hatte damals gerade für eine Baubiologen-Community ein soziales Präsenz- und Austausch-Portal entwickelt. Dieses „Framework“ konnten wir für uns nutzen. Hinzu kam ganz viel freiwilliges Engagement und Unterstützung von allen, denen an dem Start des Projekts gelegen war. So hielten wir die Ausgaben niedrig und konzentrierten uns auf unser Kernanliegen: Selbständigen Frauen eine Präsenz-, Werbe- und Netzwerkplattform zu bieten. Zur Finanzierung der laufenden Kosten und für weitere Entwicklungen erhoben wir zudem einen kleinen Beitrag von denen, die sich auf dem Portal als unsere Mitglieder präsentieren.

Dieses Umlageprinzip und sogar die günstigen Preise, die jeder selbständigen Frau eine Teilhabe ermöglichen, haben wir bis heute beibehalten. Das hat sich bewährt: über die Jahre habe ich gesehen, wie andere Projekte, die auf öffentliche Fördermittel oder Werbeeinnahmen setzten, scheiterten. Wir konnten unser Projekt Schritt für Schritt weiter auf solider Basis ausbauen.

2007, als die von Lohs aus beruflichen Gründen aussteigen mussten, habe ich über unser Netzwerk Judit Landstoff und ihren Partner Tamás – beide stammen aus Ungarn -  gefunden. Mit ihnen bekam unser Portal ein neues Gesicht und die Technik modernste Standards. Die Berlin-Fokussierung verschwand und wir entwickelten neue 2.0-Angebote, wie z. B. ein Online-Workshops-Modul und das „Café Virtuell“. Zudem haben wir die neuen anderen soziale Medien schrittweise integriert.

Den „Unternehmerinnenabend in …“ gibt es inzwischen nicht mehr. Warum?

Den Aufwand ein überregionales Projekt mit vielen Veranstaltungen zu koordinieren und weiter voranzubringen, hatte ich gewaltig unterschätzt. Von 200 bis 2009 war ich deutschlandweit, „stets und ständig“ für das Projekt im Einsatz – natürlich ehrenamtlich und neben meinem Hauptberuf als Beraterin. Auch finanziell belastete dieses Konzept uns sehr, denn die Einnahmen aus den Veranstaltungen und das Gros der Mitgliederbeiträge aus den regionalen „Communities“ blieben vor Ort.

Als ich im Sommer 2009 plötzlich sehr krank wurde, merkte ich, dass ich mir über die Jahre mit dieser Aufgabe zu viel zugemutet hatte. Wir versuchten daraufhin im Frühjahr 2010 eine Neustrukturierung, aber diese missglückte – zu sehr divergierten die Ansichten und Interessen im damaligen, recht großen Projekt-Team.

Überdies hatte sich das Konzept der „Unternehmerinnenabende“ offenbar etwas überholt. Es gab inzwischen, gerade in den Städten, wo wir aktiv waren, viel mehr Angebote für selbständige Frauen. Wir besannen uns also auf unsere Kernkompetenzen, die auch unser Alleinstellungsmerkmal sind – und die liegen im Internetbereich.

Wir haben unser Konzept entsprechend modifiziert und schließlich im September 2011 das Portal noch einmal relaucht, unseren Namen und unsere Domain geändert. Unternehmerinnen.org drückt aus, was wir tun und wollen: „Unternehmerinnen von heute“ zusammenbringen, öffentlich als die großartigen Frauen, die sie sind, bekannt machen und ihnen vielschichtige Möglichkeiten zur Werbung und zur Vernetzung bieten.

Dabei kommen auch die Veranstaltungen nicht zu kurz. Inzwischen haben wir durch das Engagement unserer Netzwerkerinnen ein viel größeres und bunteres Angebot als früher.

Wie haben die Unternehmerinnen von Ihrem Engagement profitiert?

Je besser die Mitglieder die Portalfunktionen und die Möglichkeiten, sich mit anderen zusammenzuschließen, nutzen, umso mehr profitieren sie. Wir bieten zahlreiche Möglichkeiten. Das reicht von der einfachen Präsenz und der wechselseitigen Kontaktaufnahme über weitere Werbeschaltungen und Posting bis hin zu Möglichkeiten eigene Imagefilme über Kanäle bekannter zu machen oder ein Portrait über uns zu beauftragen. Selbständige können eigene Veranstaltungen über das Portal organisieren, sich durch Expertinnen-Tipps profilieren und sogar mit unserem Online-Workshop-Modul bares Geld verdienen.

Networking wird groß nach wie vor geschrieben. Dabei finden die Unternehmerinnen nicht nur einander. Viele hundert Menschen besuchen regelmäßig unser Portal auf der Suche nach Informationen und Geschäftspartnerinnen. Mein erster Geschäftskontakt über das Portal 2005 war ein Kollege aus Hildesheim, andere Kontakte und Aufträge folgten über die Jahre. Nicht zu unterschätzen sind auch die „Kontakte hinter den Kontakten“, Leute und Aufträge, an die man nur indirekt herankommt. Hinzu kommt: wer sich bei uns engagiert, hat schnell einen Anknüpfungspunkt und einen „Türöffner“. Durch unsere Vernetzung mit anderen großen Organisationen bekommen unsere Mitglieder Chancen, die sich vielen „Einzelkämpferinnen“ üblicher Weise nicht so leicht bieten.

Wie sehen Sie die Zukunft von Unternehmerinnen.org?

Das Internet als Medium ist durch den Siegeszug der mobilen Endgeräte wie Smartphones und Tablets und ihrer komplexen Funktionalität heute viel bedeutsamer als vor zehn Jahren. Auch glaube ich, dass die Zahl selbständiger Frauen weiter zunehmen wird. Frauen werden auch weiterhin eher mit kleinen, überschaubaren Betrieben auf den Markt kommen – manchmal auch nur im Nebenerwerb, zur Überbrückung oder um der wachsenden Altersarmut zu entgehen – umso mehr brauchen sie eine große potente Werbe- und Netzwerk-Plattform wie Unternehmerinnen.org.

Inzwischen haben die Selbständigen auch begriffen, welche Chancen das Internet für wirtschaftlichen Erfolg bietet. Zunehmend wichtiger werden dabei aber Datensicherheit, Seriosität der Anbieter und die Verbindung zu „echten“ Menschen mit authentischem Gesicht und „Klarnamen“ als vertrauensvolle Ansprechpartner in der Anonymität des großen Cyberspace mit seinen Risiken. All das bieten wir weiblichen Selbständigen. Wir sorgen für hohe Sicherheitsstandards und handeln nicht mit Userdaten. Unsere Unternehmerinnen sind, ebenso wie meine Teamkolleginnen und ich als Verantwortliche authentisch sichtbar und ansprechbar.

Unser Portal wird es so zwar mit den Giganten auf dem Markt nie aufnehmen können, aber das wollen wir auch nicht. Wir gehen unseren eigenen Weg - und das seit 2004 recht erfolgreich.



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Über Ilona Orthwein

Ilona Orthwein ist ausgebildete Kauffrau und graduierte Sozialwissenschaftlerin (M.A.), hat ein Aufbaustudium im Bereich Betriebswirtschaft absolviert und über 12 Jahre im internationalen Bankgeschäft gearbeitet, ehe sie 2003 die „Orthwein Unternehmens- und Organisationsberatung“ gründete. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungs- und Marketingkonzepten, sowie Fragen der Organisationsentwicklung, schreibt und referiert zu Themen wie „Marketing 2.0“, „Crowdfunding“ und „female Entrepreneurship“ Das von ihr geleitete Projekt Unternehmerinnen.org wurde 2012 mit dem Innovationspreis-IT der „Initiative Mittelstand“ in der Kategorie „Web 2.0 und Social Media“ ausgezeichnet.


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