Montag, 6. Januar 2014

Erster Buchbeitrag von Mitglied Ingrid Meyer-Legrand

Unser Mitglied Ingrid Meyer-Legrand freut sich, sie schreibt:

Ich bin schon oft gefragt worden, ob ich etwas über das Kriegsenkel-Thema veröffentlicht habe und ob meine Vorträge öffentlich zugänglich sind. Nun ist es soweit!

Mein erster Artikel über dieses Thema ist in einem Buch erschienen: im Jahrbuch für psychohistorische Forschung Band 14 mit dem Titel: „Gespaltene Gesellschaft und die Zukunft von Kindheit“. Herausgegeben wird es von Uwe Langendorf, Winfried Kurth, Heinrich J. Reiß und Götz Egloff. Das Buch ist eine Zusammenfassung der Vorträge, die auf der spannenden Tagung gleichen Namens vom 5. bis 7. April dieses Jahres in Berlin stattgefunden hat. Auch ich habe auf dieser Veranstaltung einen Vortrag gehalten, der nun in Ausschnitten in dem Jahrbuch zu lesen ist.  

Der Titel meines Vortrags lautete: „Stop & Grow – Eine ganz eigene Strategie der Kriegsenkel, positiv mit ihrem besonderen Erbe in einer in Gewinner und in Verlierer gespaltenen Gesellschaft umzugehen?“ In meinem Vortrag und in dem Buchartikel habe ich mir die Frage gestellt, inwieweit wir das „Immer-wieder-neu-Anfangen“, diese Ruhe- und Rastlosigkeit der Kriegsenkel als Kompetenz betrachten können, flexibel mit Veränderungen umzugehen. Diese Kompetenz haben die Kriegsenkel häufig von früh an eingeübt, weil die Eltern bereits einen jähen gesellschaftlichen Wechsel erlebt und ihr Leben von heute auf morgen ganz neu erfinden mussten. Ich analysiere, inwieweit das Gelingen eines erfolgreichen Lebens etwas mit einer Loyalität zu den Eltern zu tun hat, deren Leben – privat und beruflich – von Krieg und Flucht geprägt und häufig zerstört waren.  

Lässt sich dieses „Stop & Grow“ als ein kluges Abwägen begreifen, sowohl den eigenen Weg zu gehen und als auch loyal mit den Eltern zu sein? Und kann man dieses Verhalten auch als Strategie verstehen, den Optimierungswahn unserer Gesellschaft nicht mitzumachen? Das Ergebnis meiner Überlegungen lautet: Das Hin- und Herpendeln scheint für die Einzelnen sinnvoll und ein Zeichen von Wachstum und immer wieder Innehalten zu sein – eben ein Stop & Grow. 

Bestellt werden kann das Jahrbuch beim Mattes Verlag www.mattes.de

Jahrbuch für psychohistorische Forschung Band 14 mit dem Titel: „Gespaltene Gesellschaft und die Zukunft von Kindheit“. Herausgegeben wird es von Uwe Langendorf, Winfried Kurth, Heinrich J. Reiß und Götz Egloff.

Außerdem: Im Jahr 2012 gab es bereits eine Tagung, die ausschließlich den Kriegsenkeln gewidmet war. Daraus ist ebenfalls ein Buch hervorgegangen: Heike Knoch/Winfried Kurth/Heinrich J. Reiß/Götz Egloff (Hg.): Die Kinder der Kriegskinder und die späten Folgen des NS-Terrors. Jahrbuch für Psychohistorische Forschung 13 (2012). Mattes Verlag, Heidelberg 2012, ISBN 978-3-86809-070-3 (356 S.)

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