Freitag, 13. Dezember 2013

Selbständigkeit als Karrieremotor für Frauen





Selbständigkeit als Karrieremotor für Frauen


Ilona Orthwein im Interview für Women&Work 2014 - hier co-veröffentlicht:

Kann Selbständigkeit ein Karrieremotor für Frauen sein? Die Berliner Sozialwissenschaftlerin und Unternehmensberaterin Ilona Orthwein meint: Ja. Sie leitet seit 2005 erfolgreich das Internet-Projekt Unternehmerinnen.org und konnte durch ihre Arbeit bundesweit hunderte von selbständige Frauen und deren Karrierewege kennenlernen.

2014 präsentierte sich Unternehmerinnen.org erstmals bei der women&work  und gibt selbständigen Frauen und solchen, die es werden wollen auf der Karrieremeile Tipps, insbesondere rund um den Einsatz neuer Medien für die eigene Karriere.

Frau Orthwein, heute gibt es ca. 50 % mehr selbständige Frauen als vor zehn Jahren. Das spricht für einen längerfristigen Trend. Lässt sich Selbständigkeit als Karrieremotor für Frauen betrachten?
Forschungen haben gezeigt, dass der Schritt in die Selbständigkeit vor allem vom Streben nach beruflichem und sozialem Aufstieg oder zumindest nach einer beruflichen Stabilisierung, sowie nach mehr Selbstbestimmung und Sinnhaftigkeit im Beruf motiviert wird.
Im Anstellungsverhältnis haben Frauen mit verschiedenen Karrierehindernissen zu kämpfen. Wir alle kennen das Phänomen der „gläsernen Decke“, an die Frauen stoßen, insbesondere, wenn sie Beruf und (!) Familie wollen. Hier bietet eine Selbständigkeit gute Chancen, selbstbestimmt und erfolgreich zu arbeiten. So kenne ich zahlreiche Frauen, die im früheren Job bei Beförderungen stets übergangen wurden, an allzu starren Bedingungen scheiterten und heute erfolgreich eigene Unternehmen leiten, dabei sehr innovativ sind, Arbeitsplätze und weitere Mehrwerte für alle schaffen. Hier war die Selbständigkeit ein echter Karrieremotor.
Selbständigkeit ist heute längst keine irreversible Lebensentscheidung mehr. Viel häufiger ist sie eine vorübergehende Phase im beruflichen Werdegang, die nur wenige Jahre dauert. Wer unfreiwillig für längere Zeit arbeitslos ist, ist gut beraten, sich in der Selbständigkeit auszuprobieren und so neue Erfahrungen und Kontakte zu machen. Immer mehr junge Menschen, die nach Schule und Ausbildung oder Hochschule keine feste Anstellung finden und keine Lust auf unbezahlte Praktika oder Zeitverträge mehr haben, wählen diesen Weg. In innovativen Startups erproben sie ihre Fähigkeiten.
Die in der Selbständigkeit gemachten Erfahrungen und Kontakte sind meist sehr hilfreich für den weiteren Berufsweg, so dass Anstellungsverhältnisse nach einer Selbständigkeit nicht selten mit einem echten Karrieresprung verbunden sind.
Auch Unternehmen profitieren, wenn ihre Mitarbeiter/innen Erfahrungen als selbständig Tätige haben. Wer einmal selbständig gewesen ist, wird mit Herausforderungen besser umgehen, verfügt über geschäftliche Kontakte und ist aufgrund der Vorerfahrung wahrscheinlich selbstbewusster und bereit innovative Impulse setzen. Insofern tut eine Selbständigkeitsphase der persönlichen Karriere gut.

Ist der Preis für die Selbständigkeit, dass selbständige Frauen im Schnitt 37 % - so die aktuellen Zahlen - weniger verdienen als Männer?
Der „Gender-Pay-Gap“ ist leider eine traurige Realität mit der wir uns ernsthaft auseinander setzten sollten. Anders als bei abhängig Beschäftigten, ist bei Selbständigen das Problem aber nicht in der unmittelbaren Benachteiligung von Frauen zu suchen, sondern vor allem im Gründungsverhalten von Frauen.
Frauen wie Männer gründen bevorzugt in Branchen, zu denen sie einen persönlichen Bezug und  Kenntnisse haben. Allerdings bieten die angestammten Frauendomänen im Dienstleistungsbereich oft nur geringes Marktpotenzial und Verdienstchancen. Gründerinnen fehlt es zudem oftmals Führungserfahrung und wichtigen Netzwerken. Insofern wirkt sich die eine vorangegangene berufliche Diskriminierung von Frauen auch auf die weibliche Selbständigkeit aus.
Jedoch könnten selbständige Frauen aus meiner Sicht viel erfolgreicher sein,  wenn sie  eingefahrene Denk- und Rollenmuster aufgeben würden. Frauen gründen Unternehmern oft nach der Devise „small is beautiful“, d. h. ohne großen Kapitaleinsatz und möglichst überschaubar. Das scheint sehr risikobewusst. Aus Sicht von uns Betriebswirt/innen haben viele Geschäftsmodelle allerdings nur eine Chance, wenn sie entsprechend groß angelegt sind. Eine Einzelselbständige im Dienstleistungsbereich wird beispielsweise leicht zur schlecht bezahlten Honorarkraft, wohingegen die gleiche Frau mit der gleichen Angebotspalette als Chefin einer Dienstleistungsagentur wirtschaftlich sehr erfolgreich sein und viel souveräner sein könnte.
Hinzu kommt, dass Frauen sich besonders gerne in beratenden und helfenden Berufen als Solo-Selbständige ansiedeln: Beraterin, Trainerin, Coach, Therapeutin oder Heilpraktikerin stehen ganz oben auf Beliebtheitsskala, vor allem bei Frauen, die sich zwischen 35 und 55 selbständig machen. Sich hier erfolgreich zu etablieren und ein gutes Einkommen zu erwirtschaften, setzt ein gutes Konzept voraus, so wie langfristig kluges Marketing und PR in eigener Sache. Das kostet Zeit, Energie und Geld. Diese Aspekte werden leider oft völlig übersehen.
Wenn Frauen ihre Selbständigkeit wirtschaftlich erfolgreich gestalten wollen, müssen sie ihre Geschäftskonzepte kritisch überprüfen. Manchmal auch nur kleine Stellschrauben, die gedreht werden müssen, damit aus einer guten Geschäftsidee ein wirklich belastbares und erfolgreiches Unternehmenskonzept wird. Hier können wir Berater/innen helfen. Den Willen zum wirtschaftlichen Erfolg müssen die Frauen jedoch selbst haben.

Wie unterstützt Ihr Projekt Unternehmerinnen.org weibliche Selbständige?
Wir machen mit dem Internetportal und den angeschlossenen sozialen Medien die Unternehmerinnen von heute, ihre Leistungen und Angebote allgemein bekannter. Gleichzeitig werden die Unternehmerinnen füreinander und für Außenstehende erkennbar und interessanter. Networking und Geschäftskontakte laufen zunehmend über das Internet. So sind über unser Projekt schon viele gute geschäftliche Verbindungen zwischen unseren Unternehmerinnen, wie auch zwischen unseren Mitgliedern und Außenstehenden entstanden.
Unser Angebot ist so aufgestellt, dass selbst Solo-Unternehmerinnen und Gründerinnen mit geringem Aufwand und kleinem Etat effiziente Werbung machen und Öffentlichkeitsarbeit machen können. Das Networking für und mit unseren Mitgliedern auf verschiedenen Ebenen: von kleinen regionalen Treffen über den Online-Austausch bis hin zu großen gemeinsamen Messeauftritten. Und so freuen wir uns sehr 2014 auf der Women&Work vertreten zu sein. Auf der Karrieremeile stehen wir mit Rat und Tat selbständigen Frauen  und solchen, die es werden wollen, zur Seite.

erstveröffentlicht am 13.12.2013 auf http://www.womenandwork.de/news/karriereplanung/

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