Dienstag, 24. September 2013

Sitzung der Task Force "Unternehmensnachfolge durch Frauen"

Am 23. September traf sich wieder die Task Force "Unternehmensnachfolge durch Frauen" wo auch Unternehmerinnen.org als bundesweite Organisation von Selbständigen vertreten ist. Ort des Treffens war erneut das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Organisiert wird die Veranstaltung von der bundesweiten Gründerinnenagentur (bga) in Kooperation mit dem Ministerium.

In diesem Jahr vertrat uns Mitglied Frau Marianne Kleppeck, Steuerberaterin und Nachfolge-Expertin aus Berlin.

Sie schickte uns heute folgenden ausführlichen Bericht, den wir hier gerne veröffentlichen: 

Die Damen, die aus offiziellen Gremien kamen, wie z. B. Handwerkskammern oder Ministerien und Vereine, berichteten über die Aktivitäten, wie z. B. Informationsveranstaltungen, Beratungsangebote oder aber auch Ausgestaltung von Initiativen und die anderen Teilnehmer, zu deren beruflichen Aktivitäten im weitesten Sinne die Nachfolgeplanung gehört, berichteten aber auch durchaus auch über ihre unmittelbare Tätigkeit, zu dem ganz stark auch über immer wieder auftretende Probleme. Einerseits, weil oftmals unverändert der „Erbprinz“ gewünscht wird und eine Tochter diesen nicht ersetzen kann, andererseits weil Frauen in Ihren Entscheidungen wesentlich vorsichtiger und zurückhaltender sind und deshalb als zu klein, zu zögerlich und deshalb nicht ernstgenommen werden und ein starkes Thema mit großen Problemen scheint auch die Finanzierung zu sein.

Diejenigen Frauen, die für ihre Gründungsvorhaben oder die Übernahme eines Betriebes nur ein geringes Kapital benötigen, sind für Banken unattraktiv und diejenigen, die für Betriebsübernahme oder Gründung größere Kapitalbeträge benötigen, müssen auch heute noch mit dem Vorurteil kämpfen, für große Projekte eher nicht befähigt zu sein und zwar als Person. Es geht nicht um die Frage der Qualifikation, die ist bei Frauen unbestritten, wenn Sie sich für ein Projekt interessieren, besonders für ein größeres, gegeben.

Nach der Mittagspause wurde insbesondere darüber gesprochen, wie man Frauen dazu gewinnen kann, entweder die Nachfolge anzutreten oder ein Unternehmen zu erwerben oder auch ein Unternehmen zu gründen.

Ein allgemeiner Konsens herrschte darin, dass das Unternehmertum nicht positiv dargestellt und besetzt ist und dass deshalb in der Entwicklung der Jugendlichen schon gelegentlich eine Abneigung gegen das Unternehmertum vorhanden ist. Einerseits wird versucht, bereits in der Schule an die Jugendlichen heranzutreten. Es gibt in Berlin eine Initiative „Ich mach‘ mich selbständig“, die von jungen Unternehmern getragen oder gestützt wird. Diese berichten über ihre Erfahrung und sind den Schülern noch altersmäßig und in Art und Umgang näher und können somit über ihr Unternehmen positiv berichten, ein gutes Vorbild geben und positiv beeinflussen.

Dass Unternehmer oder Unternehmerinnen für das Unternehmertum auch dadurch werben müssen, dass sie ein positives Beispiel geben, wurde auch herausgestellt. Das ständige nur Klagen über die viele Arbeit, den Ärger, die Belastung, den Druck schreckt Familienmitglieder oftmals ab, sich für das Unternehmen zu begeistern. Es muss auch vermittelt werden, dass das Unternehmertum eine besondere Freiheit bietet, gerade für Frauen auch Familie und Tätigkeit zu vereinbaren, dadurch  dass man als Selbständiger über seine Zeiten freier verfügen kann, als ein Angestellter.

Es wurde auch darüber gesprochen, dass es durchaus problematisch ist, Schulen zu gewinnen, an denen man Informationsveranstaltungen durchführen könnte, um Schüler über das Unternehmertum zu informieren. Vom Bundesministerium für Wirtschaft wurde darauf hingewiesen, dass es eine Initiative gibt „Unternehmer in Schulen“, die von Seiten des Ministeriums unterstützt wird.Von den öffentlichen Unterstützern, also Kammern, Vereinen u. Ä., werden die Projekte von Schülerfirmen gestützt. Hier wird gefördert, beraten, betreut und bereits bei den Jugendlichen ein Verständnis dafür geweckt, wie Unternehmertum funktionieren kann.

Diskutiert wurd ebenfalls, wie man Schüler/innen mit Businessplan Wettbewerben mit dem Thema des Unternehmertums vertraut macht. Eine solche Initiative ist in Thüringen angesiedelt ist. Die Gewinner des Wettbewerbs werden dann zu einer Sommerakademie eingeladen. Dieses Projekt wird sehr gut angenommen und läuft erfolgreich.


Ein anderer Aspekt der Unternehmensnachfolge durch Frauen wurde auch herausgearbeitet als "Karriereoption durch Nachfolge". Hier muss für Frauen, die im Management tätig sind, deutlich gemacht werden, dass in der Position des mittleren Management, wo oft für Frauen sich keine wirkliche Alternative, schon gar nicht ein Aufstieg, mehr anbietet, die Selbständigkeit durch Übernahme eines Unternehmens auch ein Karrieresprung sein kann. Um Frauen in diesen Positionen des mittleren Managements zu erhalten, sollte man versuchen, an den Stellen, wo Stellenangebote vorhanden sind, diese Stellenangebote als Werbeplattform zu nutzen und dort die Alternative zu erklären.

Auch über den Girl’s Day und ähnliche bundesweite Aktivitäten wurde gesprochen, ebenso die Angebote, an bestimmten kostenfreie Telefonberatungen durch Experten anzubieten. Hier war allgemein die Erkenntnis, dass die Resonanz außerordentlich gering ist, weshalb davon ausgegangen wurde, dass diese Telefonaktion von größerem Erfolg gekrönt wäre, wenn man z. B. die Anrufe komplett zentral über die bundesweite Gründerinnenagentur leitet und diese dann vermittelt, sodass ein namhafter Ansprechpartner ersichtlich ist und dieser dann an die zur Verfügung stehenden Experten weiterleitet. Vielleicht hat dann so eine gebündelte Anlaufstelle eine größere Resonanz.

Insgesamt wurde festgestellt, dass Aktionen, die sich auf einmal im Jahr einen Tag beziehen, nicht so gut angenommen werden. Es müsste für interessante Themen ein Format geben, das immer wieder mit einer gewissen Regelmäßigkeit auftaucht, sodass dann an irgendeinem bestimmten Tag über das Ergebnis gesprochen wird, aber im Laufe eines Jahres häufiger vorkommt ähnlich wie Werbung, die ja auch durch ständiges Wiederholen sich im Gedächtnis einnistet.

Mit freundlichen Grüßen,

Diplom-Finanzwirtin
Marianne Kleppeck

Steuerberaterin
vereidigte Buchprüferin

Keine Kommentare: