Freitag, 19. Juli 2013

Herausforderungen meistern im Himalaya


Erlebnisbericht einer Frauen-Trekkingreise zu den eigenen Stärken


 
Katharina Haupt

Nepal und der Himalaya – ein fernes Land mit faszinierender Kultur und atemberaubender Berglandschaft. In dieser wunderschönen und zugleich auch herausfordernden Umgebung ist es leicht, mit sich selbst in Kontakt zu kommen, anstehende Themen zu klären und seine innere Stärke zu entdecken. Unsere Frauen-Wanderreise im April führte uns zum Annapurna-Basecamp in einer der schönsten Regionen Nepals. 

In Deutschland lag noch Schnee, als wir bei strahlendem Sonnenschein im Trubel von Nepals Hauptstadt Kathmandu ankamen. Wir, das waren neun neugierige und mutige Frauen und ich als Initiatorin und Leiterin dieser Seminarreise in die Berge. In 13 Tagen wollten wir bis auf 4.130m zum Annapurna-Basecamp wandern und dabei die Herausforderungen des Weges meistern. Für einige der Frauen war diese Reise die erste Wandertour überhaupt. Sie hatten schon zu Hause mit den gut gemeinten Kommentaren von Familie und Freunden die erste „Prüfung“ bestanden.
Nach zwei Tagen mit Besichtigung von Kathmandus Kulturschätzen und einer fröhlichen Busfahrt zum Ausgangspunkt der Wanderung ging es dann los. Unsere nepalesische Begleitmannschaft mit Guides und Trägern lief gutgelaunt und singend voraus. 

Der Weg führte uns von Nayapul am Fluss entlang durch kleine Dörfer  und an Feldern vorbei sanft aufwärts. Anfangs gab es noch eine geschotterte Fahrstraße, die dann immer kleiner und enger wurde. An den Hängen waren viele Terassenfelder zu bewundern, die mit Wasserbüffeln und in mühsamer Handarbeit bewirtschaftet werden. Immer wieder kamen uns Eselkarawanen mit dem weit hörbaren Glöckchenklingeln entgegen. Die Esel sind als Lasttiere in den Bergen unentbehrlich und laufen in langer Reihe über Stock und Stein. Am Abend des ersten Wandertages saßen alle Frauen zufrieden beim nepalesichen Masala-Tee. Wir waren froh, in der Natur und den Bergen anzukommen und die frische Luft, Weite und Bewegung zu genießen.

Gleich am zweiten Tag erwarteten uns jedoch die „Treppen von Uleri“, ein Anstieg von ca. 1000 Höhenmetern, der sich in Naturstufen einen sonnigen Hang hinaufzieht. 

Das war die erste Gelegenheit, das Motto „Schritt für Schritt“ am eigenen Leibe zu erfahren. Nicht hinaufschauen, sondern einfach Stufe für Stufe im eigenen Tempo nach oben steigen – im Vertrauen, irgendwann oben anzukommen. Mit dieser Einstellung ließ sich die der anstrengende Anstieg gut bewältigen. Der herrliche Ausblick von oben und ein leckeres Mittagessen waren der Lohn für die Mühe. Am Nachmittag ging es leicht ansteigend weiter hinauf und die ersten Rhododendronwälder säumten den Weg. Die Blütenpracht war einfach wunderschön und selbst der aufkommende Regen konnte die Freude darüber nicht trüben.
Unser Tagesziel war Ghorpani, ein belebtes Dorf in wunderschöner Lage. Hier konnten wir auch am nächsten Morgen direkt vom Bett aus die herrliche Aussicht auf die Berge und die  Rhododendronwälder genießen. Was für ein kraftvoller Moment, wenn die Sonne am Horizont hervortritt und die schneebedeckten Berge zum Leuchten bringt! 

Der Rhododendron begleitete uns den ganzen Tag und wir wanderten mitten in der Blütenpracht. Das Tagesmotto war daher auch „Sich freuen und die Schönheit genießen“. Es waren nicht nur die wunderschönen roten und pinken Blüten, die uns faszinierten – auch die Rhododendronbäume selbst mit ihren knochigen und verästelten Stämmen haben eine ganz eigene Ausstrahlung, fast etwas Geheiminsvolles und „Verwunschenes“. Am Abend konnten wir die vielen Eindrücke des Tages gut nachwirken lassen, diesmal hatten wir ein kleines Teahouse in den Bergen ganz für uns allein. 

Die nächsten Tage ging es viel bergauf und bergab, sowohl in der Landschaft als auch in den Gemütern der Frauen. Durch die intensiven Eindrücke, die Herausforderungen des Weges und die Gespräche in der Gruppe wurden Themen wachgerufen, die im Alltag verschüttet sind. Oft ging es darum, sich selbst zu spüren und ernst zu nehmen, die eigenen Wünsche zu erkunden und die Freude am Sein wieder neu zu entdecken.  Viele Inspirationen gab es im Austausch mit den anderen Frauen und unseren Guides und Trägern. Auch die abendlichen Gesprächsrunden und kleine Aufgaben  für den Tag waren sehr bereichernd, z.B. das Sammeln der eigenen Ressourcen und Wünsche oder das bewusste Erleben der Natur mit allen Sinnen.


Die Natur überraschte uns unterwegs immer wieder mit ihrer Vielfalt. Auf dem Weg zum Annapurna- Basecamp wanderten wir durch dschungelartigen Bergwald mit Affen, kletterten über Geröllfelder und Schneelawinen, mussten Flüsse überqueren und auch mit Regen und Wind umgehen. Die Landschaft wurde karger und der Blick auf die Felswände immer beeindruckender. Oft waren wir einfach nur sprachlos und überwältigt von der Kraft und Ausstrahlung der Berge!

Die Nähe zur Natur war auch am Wetter deutlich spürbar. Tagsüber war es angenehm warm und sonnig, doch sobald die Sonne unterging wurde es empfindlich kalt. Daher war es auch hier wichtig, auf den eigenen Körper zu hören und gut für sich selbst zu sorgen. Morgens lag meist ein zuckerartiger Nebel über den höchsten Bergspitzen und oft gab es wunderschöne Lichtspiele mit den Wolken über den Bergen. Am Machapuchre Basecamp auf 3700m erlebten wir dann einen Nachmittag mit heftigem Schneeregen und Nebelschwaden. Zum Glück hatten wir unsere Hütte bereits mittags bei klarem Wetter erreicht und so war es einfach nur faszinierend, dieses Naturspektakel zu beobachten. Warm eingepackt saßen wir mit einer Tasse heißem Tee im schützenden Unterstand und konnten draußen „die Welt untergehen sehen“.

Unser Gipfeltag begann dann sehr zeitig. Schon vor Sonnenaufgang mussten wir aus den warmen Schlafsäcken steigen und uns in den klaren aber eiskalten Morgen begeben. In dieser Höhe ist die Luft dünn und das Laufen geht nur langsam. Beim Aufstieg hieß es wieder „Schritt für Schritt“ dem Ziel entgegen. Und dabei den Weg genießen! Auf dem Weg nach oben entdeckten wir wunderschöne blaue Vögel, die in dieser unwirtlichen Landschaft zu Hause sind. Sie tauchten immer wieder auf, spielten auf dem Schnee, saßen auf den Felsen oder nahmen ein Bad im kalten Flusswasser. Fast war es so, als ob sie uns nach oben begleiten …

Als wir am Basecamp auf 4.130m ankamen, war die Freude groß. Erschöpft aber mit strahlenden Gesichtern stellten wir uns für das obligatorische Gipfelfoto auf und waren richtig stolz! Jede von uns hatte es mit ihrer ganz eigenen Kraft geschafft, hier oben anzukommen und die Herausforderungen auf dem Weg gemeistert. Der Ausblick auf das Bergpanorama war gigantisch - rundherum schneebedeckte Berggipfel, die nochmal mehrere tausend Meter in die Höhe ragten! Und mittendrin ein kleiner Stupa mit fröhlich bunten Gebetsfahnen. Wir konnten uns kaum satt sehen. Dafür hatte sich die Anstrengung wirklich gelohnt! Es gab Freudenschreie, glückliche Umarmungen und eine Unmenge an Fotos. Nach einem stärkenden Gipfel-Frühstück machten wir uns frohgelaunt und mit leichtem Schritt auf den Rückweg. Abends in unserem Teahouse wurden die Erfahrungen des Gipfeltages ausgetauscht und der Erfolg mit der ganzen Gruppe gefeiert.

Auf dem Weg ins Tal wartete noch eine besondere Wohltat auf uns: die heißen Quellen von Jinhu. Diese natürlichen Quellen sind eine Attraktion in einer Bergregion, in der warmes Wasser selten ist. Mit großer Begeisterung sind dann auch unsere Träger und Guides mit uns gemeinsam zu den Quellen geeilt. Im wohlig warmen Wasser konnten wir entspannen, plaudern und einfach den Tag und die Natur genießen. Es war eine wunderbare Erholung.

Die letzten Tage unserer Tour führten uns wieder mehr durch die Dörfer, mit schönen Ausblicken auf Terassenfelder und die umliegenden Berge. Wir waren gut eingelaufen und das Wandern fiel leicht. Die Stimmung der Gruppe wurde immer lockerer und die Gespräche intensiver. Es wurden viele Ideen für die Zukunft ausgetauscht und neue Reisepläne geschmiedet. Oft stimmten unsere nepalesischen Begleiter ein Lied an und wir liefen beschwingt und scherzend unserem Tagesziel entgegen.

Am letzten Abend in den Bergen haben wir dann in der Gruppe unseren Erfolg gefeiert und die Highlights der Wanderung ausgetauscht. Gemeinsam hatten wir die Herausforderungen gemeistert und viele bewegende Eindrücke aus den Bergen mitgenommen. Es war gleichzeitig auch der Abschiedsabend mit unseren Trägern und Guides. Sie hatten uns die ganze Zeit frohgelaunt und fürsorglich begleitet und so fiel der Abschied nicht leicht. Aber auch hier konnten wir von „unseren“ Nepalesen lernen: sie organisierten eine Trommel und „Rakshi“ – den lokalen Reiswein – und mit Singen und Tanzen wurde der Abend gebührend gefeiert! 

Nach der Wanderung hatten wir einen Erholungstag in Pokhara eingeplant, einem kleinen gemütlichen Städtchen am See. In dieser geruhsamen Atmosphäre  konnte jede Frau nach Belieben eine Ayurveda-Massage genießen, schöne Mitbringsel einkaufen oder einfach gemütlich im Cafe sitzen und die Reiseerlebnisse nachwirken lassen.

Die letzte „Mutprobe“ war der Rückflug nach Kathmandu. In einer kleinen und etwas wackeligen Maschine flogen wir in nur 30 Minuten zurück nach Kathmandu. Von oben sahen die Dörfer, Berge und Terassenfelder noch einmal ganz anders aus. In einigen Wolkenlücken konnten wir sogar die schneebedeckten Bergspitzen der Himalaya-Hauptkette bewundern. Nach einem weiteren Tag in Kathmandu mit Shopping, Erholung und nepalesischem Abschiedsessen machten sich die Frauen auf den Rückweg in die Heimat. 

Im Reisegepäck hatten alle neben den Souvenirs auch viele bewegende Reiseeindrücke, neue Ideen und die Gewissheit, mit eigener Kraft Herausforderungen meistern zu können. Jede Frau hat sich selbst unterwegs besser kennengelernt und in den Zeiten des Alleinseins und mit Unterstützung der Gruppe wertvolle Erkenntnisse gewonnen. Die intensiven Eindrücke und Begegnungen in den Bergen werden noch lange nachwirken.



Termine für die nächsten Frauenreisen nach Nepal:
04.-26.10.13: Trekking im Langtang-Gebiet und zu den Heiligen Seen von Gosainkund
22.03.-12.04.14: Trekking zum Annapurna-Basecamp

Am 27.07.13 findet in Berlin ein Erlebnisabend zu den Reisen im Himalaya statt:
27.07.13, 19:00 – 21:00 Uhr
Shakti-Yogaloft (Urbanstr. 67, Berlin-Kreuzberg)
Eintritt: 7€ 

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