Dienstag, 28. Mai 2013

Unternehmensnachfolgen durch Frauen im Aufwind: Anstieg auf mehr als 20 Prozent

Nationaler Aktionstag „Nachfolge ist weiblich!“ am 13. Juni

93 Prozent der in Deutschland agierenden Firmen sind Familienunternehmen. Laut DIHK stellen sie 60 Prozent aller inländischen Arbeitsplätze und erweisen sich gerade in der Wirtschafts- und Finanzkrise als Rückrat der deutschen Wirtschaft. Während die DAX-24-Konzerne zwischen 2006 und 2010 rund sieben Prozent ihrer Arbeitsplätze abbauten, stieg die Inlandsbeschäftigung der 500 beschäftigungsstärksten Familienunternehmen um neun Prozent.



Höhere Frauenbeteiligung könnte Übergabestau bei Unternehmensnachfolgen mildern und Hunderttausende Arbeitsplätze erhalten

Das neue Faktenblatt „Unternehmensnachfolge durch Frauen – Daten und Fakten III“ der bundesweiten gründerinnenagentur (bga) zeigt, dass vor diesem Hintergrund und mit Blick auf den Demographiewandel die Unternehmensübergabe an Frauen künftig einen noch höheren Stellenwert gewinnen wird. Zwar ist der Frauenanteil bei Unternehmensnachfolgen im letzten Jahrzehnt bereits gestiegen – Einzelstudien sprechen von einer Erhöhung auf bis zu mehr als 20 Prozent –, doch ist der Bedarf am Markt bei weitem größer. Schon heute findet jeder dritte übergabebereite Senior-Unternehmer keine passenden Nachfolger. Bis 2020 wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zudem laut Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn um vier Prozent sinken, während parallel dazu demographiebedingt ein Anstieg der Unternehmensübertragungen um 16,4 Prozent in West- und um 19,2 Prozent in Ostdeutschland absehbar ist. Bei gegenwärtig rund 22.000 Übergaben pro Jahr, von denen jährlich etwa 287.000 Beschäftigte betroffen sind, ist bereits jetzt erkennbar, wie volkswirtschaftlich bedeutungsvoll es ist, die Zahl potentieller Unternehmensnachfolgen zu steigern.

„Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine Unternehmensnachfolge durch Frauen sind günstiger denn je. Unter den Arbeitnehmerinnen mit Führungserfahrung, den ‚Managerinnen 50plus’, erwägt bereits rund ein Drittel aufgrund der gläsernen Decke im Business den Schritt in die Selbstständigkeit“, erklärt Iris Kronenbitter, Leiterin der bundesweiten gründerinnenagentur (bga). „Die Übernahme eines Unternehmens erlaubt es Frauen, ihre unternehmerische Qualifikation auf höchstem Niveau einzubringen, da am Markt bereits etablierte Firmen im Gegensatz zu Neugründungen nicht eines Aufbaus von Null an bedürfen. Dies erhöht die Wirkungskraft im Hinblick auf den möglichen volkswirtschaftlichen Ertrag enorm und kommt dem Arbeitsmarkt gleichermaßen zugute, denn während Neugründungen zumeist mit vergleichsweise geringem Personal starten, geht es bei Nachfolgen in vielen Fällen um deutlich höhere Beschäftigtenzahlen, sprich Arbeitsplätze, die ohne Übernahme verloren gehen. Das neue Faktenblatt liefert Frauen wichtige Eckdaten, um sich für eine Unternehmensnachfolge zu entscheiden, und ebnet Eigentümern, die dabei sind, die Übergabe ihres Unternehmens anzubahnen, den Weg zur Suche potentieller Nachfolgerinnen.“

Bundesweiter Aktionstag „Nachfolge ist weiblich!“ der bga am 13. Juni mit vielen  Regionalveranstaltungen und Experten-Telefon für Nachfolgerinnen und Firmeneigentümer

Wie wichtig diese Sensibilisierung für das Potential von Frauen bei Übergaben ist, zeigt die Tatsache, dass gegenwärtig bei familieninternen Nachfolgen sich noch knapp drei Viertel der männlichen Übergeber eher für Söhne als Nachfolger entscheiden, während Firmeninhaberinnen bereits in knapp der Hälfte aller Fälle das Unternehmen einer Tochter übertragen wollen. Mit dem nationalen Aktionstag „Nachfolge ist weiblich!“ am 13. Juni eröffnet die bga in Zusammenarbeit mit 100 Partnerinnen und Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Beratung in der Task Force „Nachfolge ist weiblich! Unternehmensnachfolge durch Frauen“ Nachfolge-Interessierten und Übergebern die Möglichkeit, sich bei Expertinnen und Experten der nexxt-Initiative sowie aus Kammern, Ministerien, der freien Wirtschaft und Forschung über die Chancen einer stärkeren Einbeziehung von Frauen in Unternehmensübergaben kundig zu machen. Ein ganztägiges Experten-Telefon der bga mit 30 Beraterinnen und Beratern flankiert die bundesweiten Veranstaltungen und ermöglicht individuelle Beratungen.

„Eine Stärkung der Nachfolge durch Frauen ist ein zentrales Thema für die deutsche Wirtschaft insgesamt, denn lediglich zwei Drittel aller Familienunternehmen kommen in die zweite Generation, nur ein Drittel erreicht die dritte und allenfalls ein Sechstel die vierte Generation. Da gerade für Unternehmerinnen im Zuge der Nachfolgeregelung der Erhalt von Arbeitsplätzen an erster Stelle steht, ist die stärkere Einbeziehung von Frauen in Nachfolgeprozesse ein essentieller Beitrag zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland“, so bga-Leiterin Iris Kronenbitter.

Quelle: bundesweite Gründerinnenagentur (bga)

Auf dem Unternehmerinnen.org-Terminkalender finden Sie eine Reihe von Veranstaltungen zum Aktionstag - das Angebot wird fortlaufend ergänzt.

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