Dienstag, 16. Oktober 2012

Unternehmerinnen im Gespräch mit Politikern am 15.10.2012 in Berlin


Der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Dr. Philipp Rösler, hat gestern im Bundeswirtschaftsministerium die Veranstaltung "Frauen, die Wachstum schaffen - Unternehmerinnen im Gespräch mit Politikern" eröffnet. Unternehmerinnen, Vertreter aus nationaler und europäischer Politik sowie aus Kammern, Verbänden und Netzwerken beschäftigten sich mit der Frage, wie die Wachstumspotenziale weiblich geführter Unternehmen in Zukunft noch besser erschlossen werden können.

Bundesminister Rösler: "In Deutschland gibt es bisher zu wenige von Inhaberinnen geführte Unternehmen. Indem wir den weiblichen Unternehmergeist stärken, können wir in Deutschland und Europa erhebliche Wachstumspotenziale heben. Dabei spielen insbesondere auch Vorbilder erfolgreicher Unternehmerinnen, die selbstbewusst ihre Ziele erreichen, eine wichtige Rolle. Das setzt starke Impulse zur Überwindung überkommener Rollenbilder und hilft, Frauen für Unternehmensgründungen zu motivieren."


Daniel Calleja Crespo, aus Spanien stammender Generaldirektor der GD Unternehmen und Industrie bei der EU-Kommission, sprach sich für einen stärkeren Unternehmergeist in Europa aus. Europa braucht eine Veränderung hin zu einer "Entrepreneur Kultur", einem veränderten Lebensstil, der z. B. auch der flexiblen Arbeit von zuhause aus einen höheren Stellenwert beimisst, nachhaltiges Wachstum fördert und auf kreative Ideen setzt. Wenn Frauen wirtschaftlich stärker eingebunden werden sollen, so Crespo, braucht dies Veränderungen,die sich zum einen in den Köpfen der Menschen aber auch in den politischen Rahmenbedingungen - Stichwort: Vereinbarkeit von Familie und Beruf und, Kinderbetreuung - vollziehen muss.

In der anschließenden Diskussionsrunde stellten sich drei erfolgreiche Unternehmerinnen mit unterschiedlichen Werdegängen und aus unterschiedlichen Branchen Dominique Döttling, Nelly Kostaninova und Dr. Christine F. Kreiner zusammen mit MdB Ernst Burgbacher und Daniel Calleja Crespo den Fragen der anwesenden Unternehmerinnen.

Angesprochen wurden dabei auch kritische Themen, wie z. B. die ungerechte Verteilung von Kapital zwischen den Geschlechtern (Frauen verfügen im Schnitt über 40% weniger Kapital als Männer) und die Schwierigkeiten z. B. der relativ neuen Branche "haushaltsnahe Dienstleistungen", die im Rahmen des demografischen Wandels immer bedeutsamer wird. Hierzu gibt es aber noch keinen offiziellen Branchenschlüssel und damit auch keine Branchenkennzahlen, was die Gründung in diesem Wachstumsmarkt, wie eine Teilnehmerin eindrucksvoll darlegte, erheblich erschwert.

Zu den Wachstumspotenzialen inhaberinnengeführter Unternehmen stellte Ramboll Management Consulting erste Ergebnisse einer vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie vor. Danach unterscheiden sich die unternehmerischen Motive von Männern und Frauen unter anderem dadurch, dass Unternehmerinnen neben der Umsatz- und Gewinnorientierung tendenziell noch stärker auch einen sozialen Beitrag leisten wollen. Der Studie zufolge ist die Zahl der selbständigen Frauen in Deutschland ohne Beschäftigte von 2002 bis 2011 um beachtliche 51% gewachsen; die Zahl der selbständigen Frauen mit Beschäftigten um 8%.

In der anschließenden Expertinnenrunde mit Iris Kronenbitter (bga), Prof. Dr. Claudia Gather (HWR), Dagmar Bollin-Flade (DHIK) und Gunilla Almgren (UEAPME) wurde noch zudem noch einmal hervorgehoben, dass Frauenunternehmen häufig besonders ressourcenorientiert wirtschaften,  und Unternehmerinnen Aspekte qualitativen Wachstums der reinen Gewinnmaximierung vorziehen. Das deckt sich auch mit den Ergebnissen der o.g. Studie: Frauen als Unternehmerinnen liegen Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit besonders am Herzen, sie sind zwar weniger risikofreudig, wirtschaften dafür aber umso nachhaltiger.

Unternehmerinnen.org war mit fünf Mitgliedsunternehmerinnen bei dieser interessanten Veranstaltung vertreten, die anlässlich der vierten europäischen KMU-Woche stattfand, welche noch bis zum 19. Oktober läuft. In dieser Woche bieten die EU-Kommission, nationale Behörden, Verbände und Unternehmen in 40 europäischen Ländern Veranstaltungen an, deren Ziel es ist, den Unternehmergeist zu fördern. Auch die europäische Hauptveranstaltung in Brüssel am 17. Oktober befasst sich mit dem Thema "Unternehmerinnen".

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