Samstag, 30. August 2008

Die Fälle P, A und K - oder der Versuch, die Spielregeln zu umgehen

Stellen Sie sich mal folgende Situation vor: bei einem Fußballspiel nimmt plötzlich ein Spieler den Ball in die Hand und trägt ihn zum Tor. Möglicher Weise ist das im Eifer des Gefechts sogar schon vorgekommen; ich selbst erinnere mich zumindest an ein Spiel, da hielt einer den Ball minutenlang fest und verweigerte die Herausgabe. Dass dieser Spieler dann eine "rote Karte" sah und vom Platz musste, dürfte klar sein...

Bestimmte Spielregeln müssen eingehalten werden, auch wenn sie uns nicht immer gefallen. Das lernen wir schon im Kindergarten.

Seltsamer Weise tun sich Erwachsene manchmal besonders schwer, bestimmte Regeln zu akzeptieren. Hand auf's Herz, wer fährt nicht manchmal schneller als erlaubt oder bei "leichtem Rosa" noch über eine Ampel?!

Vielleicht braucht die menschliche Psyche zuweilen ein wenig Anarchie im ansonsten überregulierten Leben...

"Spielregeln" wurden aber auch aus gutem Grund aufgestellt, weil der Mensch einfach auch verlässliche Rahmenbedingungen braucht.

Unser Projekt braucht z. B., wie unten beschrieben die Beitragszahlungen, um am Leben zu bleiben.

Einige Nutzerinnen unserer Leistungen sehen das aber offenbar nicht so recht ein. So unser ehemaliges Mitglied Frau K. (Name anonym). Sie war immer gerne bereit, ihre Angebote bei uns zu präsentieren, nahm gute Kontakte durch unser Netzwerk mit, bekam als Starthilfe für ihre Gründung von uns ein aufwendiges Portrait kostenfrei erstellt, begleitet von Pressearbeit ... und beschimpfte uns schließlich als "Erpresser", als wir auf die Bezahlung ihres Jahresbeitrags pochten.

Zuvor hat sie in Sachen Ausreden noch sehr viel Kreativität bewiesen: weil sie ihren Ausweis verloren hatte, käme sie nicht an das Geld auf ihren Konten, sie werde zahlen, sobald ihr Kunde X seine Rechnung bezahlt habe, die Bank habe die Überweisung einfach nicht ausgeführt, obwohl das Konto gedeckt war und würde nun erst mal deswegen von ihr verklagt etc. etc. Ihr Schatz an Ausreden und Ausflüchten war schier unerschöpflich - und teilweise nicht ohne "Spassfaktor": "Ich habe am 29.2.2007 bezahlt!" - Upps, das ist doch ein Tag, den es im Kalender gar nicht gibt...

Schließlich wurde uns das Ganze zuviel. Wir entschlossen uns, den Vorgang - es handelte sich um eine Forderung von ca. EUR 100,00 (zzgl. inzwischen aufgelaufener Mahngebühren und Zinsen) den Rechtsweg gehen zu lassen.

Probleme gab es auch mit einem anderen Mitglied. Frau A. (Name anonym) hat eine recht vornehme Geschäftsadresse. Vielleicht mußten wir uns daher von ihr anhören, dass wir uns wegen eines so geringen Betrages doch nicht so anstellen sollten. "Sie tun ja gerade so, als müßten Sie Ihre Brötchen von meinen 100,00 Euro bezahlen!" war einer ihrer "moralischen" Vorwürfe an uns, nachdem Sie sich zuvor lange in vornehmes Schweigen gehüllt hatte. Auf die erste Mahnung mit Gebühren meldete sie sich endlich: Sorry, sie sei in Urlaub gewesen... - Von Anfang Juni bis Mitte August? Na, das war wohl eine lange - und teure? - Reise.

Dann hat sie die Überweisung angeblich durchgeführt. Seltsamer hat uns der Betrag bis heute noch nicht erreicht ... Wir fragten nach, baten sie höflich zu überprüfen, ob denn die Buchung wirklich richtig erfolgt sein. Statt dies zu tun, drohte sie uns mit fristloser Kündigung, da wir sie so sehr durch unsere Mahnungen unter Druck setzten, was ein ganz und gar unakzeptabeles Verhalten ihr gegenüber sei!

Mein Vater erzählte gerne einen Witz von einem säumigen Schuldner der mit dem Satz endete: "Wenn Sie mich noch einmal mahnen, nimmt Ihre Rechnung nicht mehr an der Verlosung der noch zu begleichenden Rechnungen teil!"

Das ist doch immerhin besser als die Moralin sauren Vorwürfe von Frau A., oder?

Noch eine Annekdote aus der Frühzeit des Unternehmerinnenabends. In den Anfängen vertrauten wir noch bei Veranstaltungen dem Barzahler-Prinzip. Das funktionierte natürlich nur mit Einschränkungen.

Einmal kam eine Teilnehmerin ganz verzweifelt an und fragte: "Bitte, wo ist hier der nächste Geldautomat, ich habe vergessen, mir Bargeld einzustecken!" Man sah der Frau an, wie peinlich ihr die Sache war. Da die Zeit drängte, und wir anfangen wollten, schlug ich ihr vor, sie möge überweisen. (Die Dame war von Beruf Buchhalterin und mir als zuverlässige Geschäftsfrau begannt, und natürlich überwies sie umgehend.)

Eine andere Teilnehmerin, nennen wir Sie Frau P. - ich habe sie an diesem Tag zum ersten und zum letzten Mal bei einer unserer Veranstaltungen getroffen - war zufällig Zeuge des Gesprächs und reagierte prompt:"Wenn das so ist, dann überweise ich auch!" Nun gut... Wer nicht überwiesen hat, war die Dame. Natürlich hätte ich sagen können: die 15,00 EUR sind den Aufwand des Mahnens nicht wert, aber mir ging es um's Prinzip. Und so mahnte ich die Überweisung an.

Es ist schon interessant, wie kreativ manche Menschen werden, wenn's darum geht, Forderungen nicht zu begleichen. Da hieß erst: "Oh, ich habe die Überweisungsdaten verbummelt." Dann: "Ich war auf Reisen und hatte leider keine Möglichkeit, zu überweisen." Als nächstes und letztes: "Ich war schon auf den Weg zur Bank, aber unterwegs muss ich doch tatsächlich den Zahlschein verloren haben."

Am Ende machte ich mir ein Spielchen daraus, wer von uns beiden die besseren Nerven hat - und gewann. Zwei Monate nach der Veranstaltung war das Geld auf meinem Konto.

Zu den genannten Fällen muss ich sagen, dass nach allem, was ich über diese Frauen weiß, nicht davon ausgegangen werden muss, dass sie selbst "am Hungertuche nagen" und darum die geforderten Summen einfach nicht aufbringen konnten.

Erstaunlicher Weise machen wir immer wieder die Erfahrung, dass gerade Gründerinnen, die mit wenig Geld auskommen müssen, pünktlich bezahlen oder ohne Umschweife um Ratenzahlung bitten. Diese Raten werden dann auch stets pünktlich entrichtet.

Generell zahlt sowieso die Mehrheit unserer Mitglieder ganz pünktlich und zuverlässig, und wenn wir mal erinnern müssen, dann liegt es einfach daran, dass tatsächlich im Trubel des Geschäftsalltags etwas durcheinander ging und die Überweisung vergessen wurde. Wären die Unternehmerinnen mehrheitlich so wie Frau A., K. oder P. gestrickt, so wäre unser Projekt schon längst gescheitert.

Aus meiner unternehmensberaterischen Praxis weiß ich aber, dass das richtiges Forderungsmanagement gerade in kleinen und mittleren Betrieben oft ein Stiefkind ist. Und selbst als Privatperson kann jeder mitbekommen, wie oft hier geschlampt wird. Man muss also nicht besonders hellsichtig sein, um sich diesen offensichtlichen Mangel zu Nutze zu machen.

Bei unserem Projekt wird überwiegend ehrenamtliche Arbeit geleistet. Die Vermutung liegt folglich nahe, dass wir es nicht so genau nehmen bzw. allein aus Arbeitsüberlastung das ein oder andere offene Buchungspöstchen übersehen. Hierauf setzen Menschen wie die oben erwähnten drei Damen. Sie pokern zunächst auf Zeit, erst rühren sie sich nicht - bis die Mahnungen eindringlicher und drohender werden -, dann kommt die Zermürbungsstrategie mit ihren vielfältigen Ausreden und ungerechtfertigten Anwürfen. Am Ende müssen Sie schließlich doch zahlen - Hauptfoderung plus Gebühren. Im Falle von Frau K. werden am Ende statt der ursprünglichen EUR 100,00 dann vom Gericht vermutlich ca. EUR 300,00 eingezogen werden. Das ist weit mehr als sie die Zinsen, die sie in 24 Monaten für den uns geschuldeten Betrag bekommen konnte.

Mein persönliches Prinzip lautet "pacta sunt servanda" - wenn ich eine Leistung in Anspruch nehme, muss ich auch den vereinbarten Preis zu vereinbarten Konditionen zahlen. So sehe ich es auch als Dienstleisterin und Geschäftsfrau. Das Prinzip wird auch bei Unternehmerinnenabend durchgesetzt. Bei Caterern und anderen "Leistungs-Zulieferern" gelten wir darum als absolut verlässliche Geschäftspartner, die man sehr schätzt und mit denen man gerne zusammenarbeitet. Einzelnen Mitgliedern und Veranstaltungsgästen passt unser Pochen auf die strickte Einhaltung von Regeln natürlich nicht immer... Aber wie sagt das Sprichwort: Wer es jedem recht machen will, wird es am Ende keinem recht machen.

In diesem Sinne...

Allen Blog-LeserInnen nah und fern ein schönes Wochenende!

Ihre

Ilona Orthwein

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